Schlag auf Schlag kommen dieses Jahr die Rennstreckentermine, eben noch am Sachsenring mit der EVO Monster den GP Fahrern nachgeeifert, kurz darauf mit Krümel zwei Tage Fahrtherapie auf dem Spreewaldring verabreicht bekommen und schon stand der Termin in Most an!

Für Most durfte der Admiral mit in den Van, der braucht ja auch seinen Auslauf und Most ist doch eine recht schnelle Strecke auf der man Geräuschtechnisch noch 102dB fahren darf. Also große Eater einbauen!

Als Ziele hatte ich mir so einige Dinge aus dem letzten Jahr mit eingepackt. Damals hatte ich, wie bisher immer in Most, Probleme mit meiner Kupplung. Auch hatte ich mir nach dem letzten Termin dort den Quickshifter zugelegt, den ich bisher nur kurz beim Shakedown am STC ausprobiert hatte. Fahrerisch wollte ich die Aha-Erkenntnisse von Krümel umsetzen und vor allem natürlich auch die Rundenzeit von 2:05 Minuten verbessern, idealerweise auf etwas unter 2 Minuten.

Das anstehende Event hatten wir bei https://www.schleifendes-knie.de/ gebucht und es sollte unser erstes Drei-Tage-Event werden. Auch wenn jetzt nicht alle drei Tage komplett mit Turns voll waren, da Nachmittags auch Rennen in verschiedenen Klassen ausgetragen wurden, sollte es doch Fahrzeit satt durch ein paar Open-Pitlane Slots gebe. In diesen kann jeder so oft und lange ohne irgendeine Gruppeneinteilung rausfahren wie er mag.

Auch haben wir mal ausprobiert wie so Rennstrecke mit Übernachten in einer Pension/Airbnb statt dem Bus von statten geht. Bot sich bei drei Übernachtungen und den sehr günstigen Preisen in Most einfach mal an.

Anreise

Das Einladen erledigten wir am Mittwoch Abend, damit wir Donnerstag entspannt los rollen und die ca. 300 km abspulen konnten. Vor dem Eintreffen auf der Strecke mussten wir noch unsere Unterkunft in Empfang nehmen, was wir dank des doch sehr übersichtlichen Verkehrs auch problemlos zur verabredeten Uhrzeit schafften. Die Unterkunft lag in einem Plattenbau irgendwo in Most, ca. 10 Minuten mit dem Auto vom Autodrom entfernt. Nichts spektakuläres, aber nett und vollkommen ausreichend. Das ganze Übernachten in einer Pension ist schon mehr Luxus als wir uns sonst immer gönnen und wenn ich ehrlich bin, ich brauche es nicht. Ich glaube sogar, von der Bequemlichkeit der Schlafstätte mal abgesehen, schlafe ich doch lieber an der Strecke. Was ich aber ganz nett fand war die Tatsache, dass man so ein bisschen was von der Stadt gesehen hat, was ja immer ganz spannend ist, finde ich. Hatte auch ein bisschen mehr was von Urlaub.

Auf der Strecke stellten wir im Fahrerlager schnell fest, dass dieses Event und der Veranstalter wohl fest in bayerischer Hand sind. Überall im Fahrerlager wurde Bayerisch gesprochen, an der Anmeldung ebenso und auch alle Ansagen über die Lautsprecher waren in Bayerisch. Die Kommunikation war also teilweise holprig, aber immer herzlich. Eh alles nette Leute. Wir übernahmen schon mal den Schlüssel für die Box, welche wir uns mit noch drei weiteren Fahrern teilten welche noch auf der Anreise waren, räumten das übliche ganze Getrödel aus dem Auto und befestigten die Laptimer an den Motorrädern. Der Hunger trieb uns aber nach getaner Arbeit wieder in die Pension. Essen, Netflix, Bett. Um 08:00 war die Morgenandacht angesetzt.

Freitag

Nach kurzem Frühstück und der Fahrt zur Strecke steckte ich kurz nach acht die Stecker der Reifenwärmer ein und wir begaben uns zur üblichen Besprechung. Nichts neues, alles wie immer, man kennt das. Nur nicht in Bayrisch. :)

In der Box hatten die drei anderen Fahrer ihre Plätze eingenommen, nette Herren aus Bayern mit japanischen 1000er Vierzylindern. Alle eher sehr flott unterwegs, während ich und Axel uns in der langsamsten Gruppe wiederfanden. Selbige sollte gleich als erste Gruppe raus, also noch schnell Motor ein wenig warm laufen lassen und in die Kombi schlüpfen.

Im ersten Turn musste ich erstmal wieder schauen wo die Strecke lang ging. Irgendwie hatte ich viele Bilder aus dem letzten Jahr dazu aus meinem Kopf gelöscht. Es stellte sich aber relativ schnell heraus das die Gruppe doch sehr inhomogen von den Teilnehmenden war. Als langsamste Gruppe gab es dort halt langsam Fahrende und noch viel viel langsamer Fahrende. Das sorgte für ganz ordentlich Verkehr auf der Strecke, mit großen Pulks die sich ansammelten.

So blieb es mehr oder weniger auch den ganzen Tag. Fahrende mit groß motorisierten Motorrädern die auf den langen Geraden in Most schlicht an einem vorbei rauschten um in der kommenden Kurve sehr langsam zu werden. Wenn man sich dann, trotz höherer Kurvengeschwindigkeit, nicht traut in der Kurve vorbei zu fahren, hängt man halt fest. Oder Leute versuchen den gleichen Bremspunkt zu benutzen wie man selbst. Stellen aber fest, dass dieser mit ca. 50km/h auf der Uhr mehr halt überhaupt nicht passt und müssen dann geradeaus weiter fahren. Gut für sie dies an der Schikane in Most nach Start-Ziel so einfach geht. So ist das halt in dieser Gruppe, dementsprechend waren auch die Zeiten und ich von meiner Bestzeit zum Mittag tatsächlich noch 7 Sekunden entfernt. Am Nachmittag wurde es ein wenig besser und so konnte ich zumindest noch an die Letztjahreszeit ranfahren.

Die 20 Minuten Turns waren körperlich auf jeden Fall anstrengend, auch wenn sie schneller vorbei gingen als gedacht. Am Abend besuchten wir aber der Einfachheit halber die Burg oberhalb von Most und kehrten dort ins Restaurace ein. Leckeres Essen mit schönem Blick über die Plattenbaustadt Most. Sehr Urlaubshaft!

Samstag

Die Boxennachbarn hatten mir angeboten die Reifenwärmer um 8 Uhr für mich anzuschalten (voll nett!) und so konnten wir ein bisschen später auf der Strecke eintreffen. Eine weitere Besprechung gab es nicht und so konnten wir quasi direkt nach dem Eintreffen in die Kombi steigen und losfahren.

Gleich im ersten Turn machte sich jemand lang und so gab es erstmal Gelb. Scheinbar lag sein Motorrad aber so doof in einer Sturzzone das auf die rote Flagge gewechselt wurde. Immer wieder erlebe ich das Fahrende bei der Flaggenkunde entweder nicht zuhören oder schlicht weg ignorant sind. Was bedeutet rote Flagge? Überholverbot, Turn Abbruch, zügig von der Strecke runter fahren!

Überholverbot sollte keinen Interpretationsspielraum lassen, Turn Abbruch auch nicht. Aber was heisst zügig von der Strecke fahren? Klar sollte sein, zügig von der Strecke fahren heisst nicht: bummeln. Machen aber viele, gehen voll vom Gas runter und fahren im Bummeltempo die Runde zu Ende. In diesem Fall sogar vor mir jemand mit linkem Arm in die Hüfte gestemmt, cruisen! Scheinbar ist vielen nicht klar warum das scheisse ist, dabei müsste man nur mal kurz drüber nachdenken! Denn es herrscht ja auch Überholverbot und wenn jetzt einer anfängt zu bummeln, dann hängen komplett alle anderen hinter diesem Bummler auch im Bummeltempo fest! Warum ist das doof? Nun, es dauert ewig bis alle von der Strecke sind und das kostet wertvolle Zeit! Zeit die unter Umständen entscheidend sein können für jemanden der gestürzt auf der Strecke liegt und dringend Hilfe benötigt! Der Sani kann halt auch erst auf die Strecke rausfahren wenn er kein Motorrad mehr gefährdet, bei manchen Strecken bedeutet dies er fährt erst raus wenn alle runter sind. Deswegen ist dieses bummeln bei roter Flagge echte Oberscheiße und ich kann dafür keinerlei Verständnis aufbringen!

Deswegen merken, bei roter Flagge zügig weiter fahren und raus! Was ist zügig? Ihr habt doch auf der Renne ein Tempo wo ihr versucht so schnell zu fahren wie ihr könnt, euer Limit. Darunter gibt es eine Geschwindigkeit wo ihr nicht so pusht, aber gefühlt auch nicht schleicht. Genau diese Geschwindigkeit fahrt ihr bei roter Flagge, mit Blick weit voraus und dem Wissen das irgendwas auf der Strecke los ist. Da muss man keine Angst haben das plötzlich ein Motorrad oder gar ein Mensch vor einem auf der Strecke liegt, die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering und selbst wenn, man sieht das bei diesem Tempo dann trotzdem rechtzeitig! Ist übrigens die gleiche Geschwindigkeit die man auch bei Gelb fährt.

So, genug Rant und Flaggenkunde.

Die folgenden Turns des Vormittags brachten irgendwie kein Aha-Erlebnis. Zuviel Verkehr, ich versuchte mich stattdessen auf Körperhaltung und das Bremsen in die Kurve zu konzentrieren. Aber irgendwie klappte das alles nicht so wie gewollt. 2:05 war so die übliche Rundenzeit. Die folgende Mittagspause war für uns sehr sehr lang, denn die Veranstaltung trug mehrere Rennen in verschiedenen Klassen aus von denen wir uns einige auch anschauten. Die Zeit nutzte ich auch um den Sensor des Quickshifters noch mal neu zu befestigen, denn zum Schalten musste ich immer stärker auf den Schalthebel treten und das ist ja nicht Sinn der Sache.

Wir waren wieder zur Open-Pitlane an der Reihe. Bei Open-Pitlane kann jeder unabhängig seiner Gruppeneinteilung raus fahren so oft und viel er möchte. Das kann sehr furchtbar sein, weil die Unterschiede in den Geschwindigkeiten sehr hoch sind und unter umständen die Leute das Messer zwischen den Zähnen haben, kann aber auch prima sein wenn die Fahrenden auf einander acht geben und nicht überall mit der Brechstange vorbei wollen.

Zum Glück wurde es hier die letztere Variante und alle waren sehr zivilisiert unterwegs. Ich hab ein wenig gepokert und erstmal 20 Minuten der Open-Pitlane vergehen lassen weil ich darauf spekulierte, dass viele langsamere Leute nach ungefähr dieser Zeit wieder rein kommen würden und ein bisschen weniger Verkehr wäre. Der Plan schien auch irgendwie aufzugehen, denn als ich raus fuhr hatte ich quasi freie Bahn! Bis auf ein paar sehr viel schneller Fahrende die einem aber eben auch nicht im Weg stehen. So konnte ich es doch mal ordentlich laufen lassen und mit steigendem Tempo und freierem Fahren passte auch irgendwie alles besser zusammen, der Quickshifter funktionierte wieder vernünftig und so konnte ich eines meiner Ziele erreichen: 1:59,46 stand nach der sechsten Runde auf dem Laptimer. Geil! Tagesziel erreicht, ab in die Box. Schneller wäre es an diesem Tag eh nicht mehr geworden.

Was vor allem gepasst hatte war das tiefe Bremsen in die Kurve in Richtung Scheitelpunkt, das war mit ständigem Verkehr für mich irgendwie nicht umsetzbar gewesen weil ich mich nicht anständig darauf konzentrieren konnte und immer schon vor der Kurve zu viel bremste, dann zu langsam war, lange Rollphasen hatte und das auf dem Gasgriff auch nicht mehr rausholen konnte. Wie das halt so ist, wenn man viel auf andere Achten muss. Jetzt aber konnte ich den Bremspunkt nach hinten schieben und die Geschwindigkeit für die Kurve sanft auf der Bremse zum Scheitelpunkt hin anpassen, was dazu führt das man schneller in die Kurve rein fährt und nicht zu viel bremst, also den Schwung prima mitnimmt. Das macht in Most bei vielen Kurven eine ganze Menge aus, weil die Strecke, finde ich, sehr flüssig ist.

Am Abend gab es noch die Siegerehrungen für die ausgetragenen Rennen, inklusive Sektdusche für die Pokalerhaltenden und eine Runde Gyros und Freibier für alle Teilnehmenden. Zum Bier kann ich nix sagen, aber das Gyros im Kreise der bayrischen Geselligkeit war sehr lecker!

Sonntag

Drei Tage machen einen schon ganz schön platt. Nach dem Auszug aus der Pension schlugen wir wieder etwas später auf der Strecke auf, auch an diesem Morgen hatten die Nachbarn dankenswerter Weise die Reifenwärmer eingesteckt.

In den ersten beiden Turns konnte ich nicht mehr an die Zeit aus dem Open-Pitlane ranfahren. Was ich aber mal probierte war die Rasten um 1cm nach oben zu verlegen und auch den Lenkungsdämpfer drehte ich drei Klicks weiter zu. Letzteres brachte Ruhe ins Fahrwerk beim Schalten, sonst gab es da manchmal einige Wackler in der Front. Die hochverlegten Rasten brachten mehr Druck auf selbige, was angenehm war. Zum dritten Turn drehte ich die Druckstufe noch mal zwei Klicks an der Gabel zu, damit die Fuhre beim Anbremsen nicht so weich einfederte. Dieses mal machte ich hinne beim rausfahren und rollte als zweiter an die Ausfahrt.

Ich hab es schon mal geschrieben, die Turns wo ich mit als erster raus fahre sind oft die besten. Es war wieder so. Vor mir jemand auf seiner GSX-R1000, locker 50 PS mehr als der Admiral. Aber ich war gut unterwegs und wollte dran bleiben. Auf den Geraden war er immer weit weg, aber auf der Bremse war ich immer wieder dran und in der Kurve ein Tick schneller als er. Nur vorbei hab ich mich nicht getraut, dazu wäre es immer zu knapp gewesen. So haben wir den halben Turn verbracht. Irgendwann, auch mit ein bisschen Verkehr zwischendrin, überholte mich eine Fahrerin mit ihrer MT-07 auf der Bremse und machte ordentlich Tempo. Da wollte ich unbedingt dran bleiben, das war die passende Kampfklasse für mich! Auf der Bremse kam ich ihr nicht bei, in der Kurve waren wir gleich auf. Ich konnte mich gerade so in den beiden letzten Kurven vor Start-Ziel besser positionieren und mich mit viel Schwung und ca. 20 PS mehr Leistung bis zur Ziellinie doch noch vorbei bringen. Aber einfach war das nicht, die MT ging gut und die Pilotin war auf Zack!

Am Ende liefen wir glaube in der Dreierformation auch in die Boxeneinfahrt ein, der Laptimer zeigte 1:58,3! Sauber!

Am Nachmittag sollte es noch mal einen Open-Pitlane Slot geben, aber in dem fuhr ich nur noch 2:0X-er Zeiten. Nach drei Tagen fahren war bei mir körperlich und mental einfach die Luft raus, dann noch zu pushen um noch mehr zu erreichen machte keinen Sinn und führt nur zu Aua, deshalb liess ich es dabei bleiben während Axel noch ein paar Runden abspuhlte.

Fazit

Mein Ziel auf unter 2 Minuten zu kommen hatte ich also erreicht. Von 2:05 auf 1:58, um 7 Sekunden verbessert. Das finde ich schon ganz ordentlich und ich muss sagen da bin ich auch ein wenig stolz drauf.

Der Quickshifter hat auch funktioniert, auch wenn ich manchmal zwischen den Gängen gelandet bin, weil ich den Schaltvorgang zu lasch durchgeführt habe. Aktuell brauche ich beim Schalten mit QS noch genauso viel mentale Kapazität wie beim Schalten ohne, nur dass das Schalten schneller geht. Gewöhnungssache.

Die fahrerischen Aha-Erlebnisse von Krümel konnte ich zumindest Teilweise umsetzen. Mir viel es aber schwer die Sitzhaltung gefühlt so elegant hinzubekommen wie ich das auf Krümel hinbekommen hatte. Mein Plan ist jetzt nach dem Familienurlaub mal die Sitzpositionen zwischen den beiden Motorrädern genau zu vergleichen um rauszufinden was da den Unterschied macht.

Schön auch das wir nicht Schrauben mussten, zumindest nichts was mit Defekten zu tun hatte. Bisschen was Einstellen zähle ich da mal nicht drunter.

Von daher kann man das Event eigentlich nur als vollen Erfolg bezeichnen und ich kann jetzt prima in den Familienurlaub starten. Weiter geht es Anfang September, da geht es mit MotoMonster nach Groß Dölln, der Admiral ist wieder mit dabei!

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