Am Wochenende ging es auf eine kleine Testrunde durch Havelland, Postdam-Mittelmark und Teltow-Fläming. Unser Treffpunkt war die JET-Tankstelle am Adlergestell, das ist für mich als jemand der aus Pankow-Prenzlauerberg kommt quasi einmal durch die Stadt. Dementsprechend früh musste ich Aufstehen. Um ca. 08:30 Uhr klingelte dann auch der Wecker! Glücklicherweise war ich am Vorabend recht früh eingeschlafen und meine Vorfreude auf die kleine Tour war derart gross, das ich ohne weitere Probleme aus dem Bett kam, mit der besseren Hälfte entspannt frühstückte und mich dann auf die SV schwang.

Am Wochenende sind um diese Uhrzeit zum Glück nicht soviele Autos unterwegs und somit konnte ich mich elegant durch die Autoreihen wedeln und war 10:10 Uhr an der besagten Tankstelle. Nur 10 Minuten nach Treffzeit. Natürlich war ich nicht der Letzte! Nach ca. 20 Minuten trudelten die letzten beiden von uns sechs ein, beide recht bleich im Gesicht und mit kleinen Augen und tiefen Ringen. Die waren etwas später als ich ins Bett gegangen und eindeutig noch nicht wach!

Die Tour führte uns von Adlershof raus Richtung Süd-Westen, vorbei am Flughafen Schönefeld der ja bald als neuer Berlin-Brandenburg-International ausgebaut werden soll. Dementsprechend Ausgebaut ist die Strecke dort, Schnellstraße in Dreispurig, Prädikat: Oede.

Zum Aufwärmen war das aber ganz gut, denn es war noch ein wenig frisch auf den ersten Paar Kilometern  und alle noch recht Steif auf ihren Motorädern. Mensch und Maschine wollen halt erstmal eingefahren werden, das dauert so seine Kilometer.

Es ging dann Richtung Westen über Trebbin, Beelitz, Kloster Lehnin und Brandenburg an der Havel. Die kleinen Seen in dieser Gegend haben die Straßenbauer dazu veranlasst dann doch die ein oder andere Kurve in den Straßenverlauf einzubauen, dafür sind wir Motorradfahrer ihnen sehr dankbar, denn in Berlin-Brandenburg ist das Verhältnis Kurve zu Geradeaus glaube 1:15. Kein wunder ballert die ungestüme Jugend immermal in Kurven gegen den Baum. Wenn man 50km geradeaus fährt und dann auf einmal eine 90° Kurve kommt unterschätzt man diese besonders bei Dunkelheit gern. Wenn man nicht eh schon beim Stundenlangen geradeaus Fahren eingeschlafen ist. Als Motorradfahrer muss man seine Strecke also sehr gut wählen damit man auch ordentlich Kurven abbekommt, sonst tut der Hintern schnell weh und Langeweile macht sich breit. Aber wenn man das gut hinkriegt bekommt man ein bisschen was geboten und es gibt trotz der mehrfach besungenen Trostlostigkeit Brandenburgs verdammt schöne Flecken Erde in diesen Brandenburg.

Weiter nach Nord-Osten an der Havel wieder Richtung Berlin bis Paretz und einem kleinen Restaurant direkt an der Fährstelle über die Havel. Zeit sich (also mir Schnitzel) den lokalen Fischspezialitäten zu widmen. Ich war danach so voll das nichtmal mehr ein Nachtisch in meinen Bauch passte, nachher kriegt man die Lederkombi nicht mehr zu!

Mmit vollem Bauch ging es dann mittels Fähre über die Havel. Inzwischen war es warm genug als das ich auch gerne ein kleines Bad genommen hätte, aber leider war ich wohl der einzige der sich ein Handtuch mitgenommen hatte und so konnte sich niemand dafür begeistern.

 

Fähre bei Paretz

Fähre bei Paretz

 

Fähre bei Paretz

Fähre bei Paretz

 

Der zweite Teil der Tour, quasi die Rückfahrt, ging dann über Werder (übrigens einen Besuch wert), um den Schwielosee herum nach Michendorf und dann Richtung Süden wo wir in Zauchwitz unsere Anfahrtsstrecke kreuzten. Weiter nach Luckenwalde, dem Ort Schönefeld und Sperenberg vorbei. Dort wo schon ein riesiger ehemaliger Militärflughafen vorhanden ist und der eigentlich prima als BBI benutzt werden hätte können. Aber Politik geht halt keine Sinnvollen Wege mehr. Weiter Richtung Norden und in Groß-Schulzendorf wieder auf die Strecke in Richtung Schönefeld und Adlershof die wir schon gekommen waren. Endstation war wieder eine Tanke am Adlergestell.

300km sind es ca. geworden und wir waren von 10:30 bis 18:00 Uhr unterwegs, inkl. Pausen und Essen.

Danach folgte die Rückfahrt durch die Stadt in der inzwischen alle unterwegs waren. Stau auf dem Adlergestell, volle Strassen, blöde Ampelfasen etc. Schaurig. Teilweise verdirbt einem das tatsächlich wieder den ganzen Tag.

Als Test und damit man hinterher überhaupt eine Vorstellung davon hat wo man eigentlich war, habe ich natürlich die Strecke mit meinem Nokia E90 mitgelogged, das funktionierte sehr gut, nur die Geschwindigkeitsmessung ist irgendwie extrem ungenau!1!

KML file

Tour in Google-Maps

Dies ist natürlich nicht meine erste Tour mit dem Motorrad, wohl aber wird es die bisher längste. Bisher hatte ich auf meinen Touren für das Gepäck meinen Tankrucksack von Held und zwei preiswerte Satteltaschen von Moto-Detail im Einsatz. Solange es nicht regnet bzw. die Klamotten darin gut in Plastikbeutel eingepackt sind funktioniert das hervorragend. In die Satteltaschen passt genug für vier-fünf Tage verreisen und eigentlich die meiste Zeit in Motorradklamotten rumlaufen.

Diese Tour verlangt ein paar andere Qualitäten vom Gepäcksystem. Um euch hier berichten zu können und im Notfall meinen Kunden in der Heimat per remote-login zur Seite stehen zu können, benötige ich mein Notebook. Dieses kann man natürlich schwerlich in einer nicht wasserdichten Stofftasche aufs Motorrad schnallen, zumal es in meine Taschen auch größentechnisch gar nicht hineinpasst! Des weiteren habe wir Spätsommer und auch wenn ich auf gutes Wetter hoffe, habe ich keine Lust immer Regenhauben über Satteltaschen zu stülpen die dann fröhlich im Fahrtwind flattern. Auch die Anschnallerei der Satteltaschen ist jetzt nichts was ich wirklich vermissen würde. 

Es war also relativ schnell klar das ich Koffer benötige. Zu Koffern gehört auch immer ein Trägersystem an dem diese befestigt werden. Meistens sind solche Trägersystem recht hässlich und in langer Schrauberei ans Motorrad zu basteln wo sie dort dann das Fahrgerät für immer total optisch verschandeln! Eher was für BMW Fahrer wo die Koffer fester Bestandteil des Motorrades sind und auch nicht mehr abgenommen werden. Nein, soetwas in der Art wollte ich nicht!

Recherche im svrider.de Forum ergaben das die SW-Motech Träger mit QuickLock-System genau das richtige für mich sind. Das System besteht aus Halteplatten die relativ unauffällig in einer Einmal-Schraubaktion ans Motorrad angebracht werden. An diese Haltepunkte wird dann der eigentliche Kofferträger mit Hilfe von Bajonettverschlüssen fixiert. Nach dem Abnehmen der Kofferträger sind die Haltepunkte dann kaum noch zu sehen und verschandeln nicht das Motorrad! Aber ich muss zugeben, ich war skeptisch ob das hält!

Aber wer nicht wagt, der gewinnt nicht. Also kurzerhand bei den grossen Drei die Preise angeschaut und dann gleich mal über ebay beim Kaufen von Trägern und Koffer ca. 80 EUR gespart. Typisch.

Als Koffer hab ich mich für die GIVI E21 entschieden, 21L Volumen (da passt das Laptop rein) und 5KG maximale Zuladung sollten mir reichen. Immerhin doppelt soviel wie in die Satteltaschen passt. Koffer mit über 40L Volumen fand ich dann doch übertrieben, wenn man soetwas ans Motorrad schraubt hat man auch gleich den Strömungswiderstandskoeffizient einer Schrankwand!

Der Anbau war extrem simpel und in 30 Minuten erledigt. Was soll ich sagen: passt, wackelt nicht und sieht gut aus! Eine ordentlich Regenfahrt zur neuen Wohnung meiner Eltern hat auch gleich mal die Wasserdichtigkeit bestätigt, trotzdem werde ich nicht sparsam mit dem Einwickeln in Plastiktüten sein!

Bilder

Mitte September werde ich mich auf meine Suzuki SV650 schwingen und von Berlin 800km in Richtung Schwarzwald fahren um meine bessere Hälfte zu besuchen die dort am schönen Schluchsee einen Film dreht.

Zuvor geht es allerdings noch mit meinem ehemaligen Fahrlehrer und weiteren lustigen Motorradfahrern auf einer Drei-Tages-Tour durch den Harz und wahrscheinlich auch in den Kyffhäuser. Direkt an die Tour anschliesend werde ich dann gen Süddeutschland fahren, natürlich mit ein paar Zwischenstopps und hoffentlich ohne einen Kilometer Autobahn! Dort angekommen wird entspannt, der Schwarzwald und hoffentlich auch mal die Vogesen mit dem Motorrad erkundet. 

Los geht die Tour wahrscheinlich am 20. oder 27. September. So genau ist das noch nicht raus, denn vier bis fünf werktätige Motorradfahrer terminlich unter einen Deckel zu bekommen ist ja immer nicht so einfach!

In diesem Blog will ich versuchen sowohl meine Vorbereitungen als auch die Reise selbst (von unterwegs) zu dokumentieren. Hier wird es also Bilder, GPS-Logs und viel blahblah um das Reisen mit dem Motorrad geben. Was danach bzw. ob da überhaupt was kommt entscheidet der Zufall! Hoffen wir auf einen schönen Spätsommer!