Flashback Spätsommer 2025, der 999 Motor vom Admiral wird wieder zusammen gebaut, Steuerzeiten werden eingestellt und tatsächlich hat irgendwer beim stehenden Zylinder mal komplett daneben gelegen. Dann wird der Motor wieder ins Fahrwerk gesteckt, der Rahmen wurde vorher noch geprüft ob er gerade ist. Dann wird ordentlich mit dem Anlasser Öl gepumpt auf das an wirklich allen Lagerstellen was vorhanden ist und das Gerät mit freudiger Erwartung vor die Werkstatthalle in die Kälte geschoben. Es ist inzwischen Spätherbst geworden.

Das Gerät springt tatsächlich an, aber was ist das? Es kommt ein Klonkern aus Richtung Kurbelwelle?! So ein Klonkern bei dem man sagen würde “Sie haben einen Kurbelwellenlagerschaden!”, so ein Klonkern das ich nie hörte als ich den Kurbelwellenlagerschaden tatsächlich hatte. WTAF?
Also Moped wieder rein, was kann es sein? Noch mal Ventildeckel ab und da nachgucken, alles fein. Noch mal Motor per Hand durchdrehen, alles fein. Ratlosigkeit. Dann noch mal mit dem Anlasser den Motor durchdrehen lassen, immer und immer wieder. Alles wie es so, es schnauft und pustet, es wobbelt uns sprotzt. Alles wieder zusammen, wieder vor die Halle.
Es ist inzwischen Winter geworden.
Den Hobel angeworfen, alles wunderbar. Nichts klappert, alles brummt. Hä? Theorie: doch noch nicht genug Öldruck auf den Kurbelwellenlagern gehabt? Warmlaufen lassen, Öl ablassen und angucken.. tja, wieder kleiner feiner kupferfarbener Glitter. AAArrrrggg. Hat es jetzt sos schnell die Kurbelwellenlager gehimmelt? Die waren mit der dicken Assemblylube eingebaut, das kann eigentlich nicht sein das die so schnell hin sind. So groß ist das Spiel auch nicht dass das so klappert und sollte dann jetzt nicht erstmal Weißmetall kommen bevor was Kupferartiges auftaucht?
Tja, der Motor war sauber als ich ihn zusammenbaute, aber der Ölkühler vielleicht nicht genug? Also die ganze Prozedur mit Warm laufen lassen, Öl durch Lackfilter abseihen mehrfach wiederholt. Mehr Glitzer wurde es nicht, eher weniger. Ganz weg war es nie. Zwischendrin mal Öldruck geprüft, voll da.
Also was tun? Auf Verdacht den ganzen Motor wieder auseinander und mehrere 100 Euro für Dichtungen rauswerfen hatte ich keine Lust. Also entschied ich mich für Risiko, einfach fahren und dann gucken. Dann kamen Krankheit und Leben dazwischen und statt einem ordenungsgemäßen Rollout mal nen Tag am STC zu machen, kam schon das erste Event in Groß Dölln am Horizont und das sollte dann wohl unser Rollout werden. Immerhin hat man es nicht weit nach Hause, falls das Moped aufgibt kann man noch ein anderes holen, denn da ich keinen Bus mehr besitz reisten wir nicht wieder mit so viel Gepäck an. Axels Street Triple hatte ja beim letzten Event in 2025 auch noch einen Kurbelwellenlagerschaden und über den Winter alles neu bekommen.
Wir reisten also mit zwei Mopeds eigentlich wohldefiniertem Zustand “frisch aufgebaut” und doch unklarem Ausgang “aber auch korrekt aufgebaut?” nach Groß Dölln zu Motomonster um dort auf ABC zu fahren. Eine Kombination die wir zuletzt 2017 hatten, auf der Hyper so zum mal bisschen fahren nach Schlüsselbeinbruch Nummer 1.

Einsortiert hatte ich mich beim Buchen im Winter in die gelbe Gruppe (B), ob das so passte wusste ich nicht. AB bin (oder war?) ich in Dölln eigentlich immer recht flott unterwegs. Also bei 12°C Außentemperatur das erste mal seit Juli 2025 nach einem Sturz und mit unklarem Motorrad in einer Streckenkombination die ich nicht wirklich kenne losgerollt. Warum gibt man sich das eigentlich? Das mentale Stresslevel war enorm! Es war wirklich wie auf rohen Eiern, die Sinne komplett überspannt auf jedes rattern und klönkern aus dem Motorradbereich horchend und hart verkrampft. Vier Runden draußen gewesen und dann wieder rein gekommen. Moped begutachten, wo fällt was ab, wo läuft was aus. Nix. Alles fein, lief einfach. Okay.
Dann kam Ivo, einer der Motomonster Teamchefs vorbeigeradelt “bist du das mit der 423?” “Aeh ja.” ohje.. was hatte ich getan? Doch ne Ölspur? Oh bitte.. “Ich würd dich gerne in die grüne Gruppe stecken!” uff.. ich war einfach nur lahm! 2:24.7 “Ohja gerne, da hab ich überhaupt nichts dagegen!”. Ich war noch nie so froh das jemand persönlich zu mir kam um mich in eine langsamere Gruppe zu versetzen. :)
Der zweite Turn war dann also in der grünen Gruppe, mein Vertrauen ins Motorrad stieg. Es funktionierte einfach, ich traute mich dann auch mal bisschen mehr Gas zu geben. Aber die grüne Gruppe war wirklich sehr voll und der Verkehr enorm. Egal, zum gucken das alles läuft ausreichend. Im dritten Turn war dann mein Vertrauen in mich auch wieder einigermaßen da, im Verkehr war es aber trödelig und nur durch Boxendurchfahrt konnte ich mal aus den Pulks raus und hatte eine letzte freie Runde die ich dann endlich mal nutzen konnte, auch wen der C-Bereich noch unklar war, A und B kann ich flott. Also eine 2:08.5 rausgedrückt. Ja das ist schon besser und damit wurde ich nach der Mittagspause auch wieder nach Gelb verschoben. Ha!
Da konnte ich jetzt also drauf aufbauen. Ziel war eh nicht hier Bestzeiten hinzulegen, die wirklich schnellen Leute fahren auf ABC irgendwas unter 1:50, da will und kann ich gar nicht hin. Aber so ein paar Sekunden wollte ich dann schon noch weg haben. Erstmal die 2:08 halten war jetzt angesagt, gelang mir nach dem Mittag auch in einer freien Runde mit 2:08.3 und vor allem zwei Runden hintereinander. So langsam machte der C-Teil auch Sinn.
Axel hatte dann seinen technischen Defekt, aber wir waren flott im Diagnostizieren, einer der Deckel des Sekundärluftsystems war lose und dort blies er lautstark Kurbelgehäuseluft raus. Eins der Gewinde war nicht mehr das fitteste und hatte es leicht mit raus gerissen. Das lies sich allerdings mit einer längeren Schraube und Loctite lösen so das er nicht mal einen Turn verlor.
Im letzten Turn hatte ich mich dann relativ gut frei gefahren und konnte es doch noch mal bisschen fliegen lasen, da war doch noch irgendwo jemand in mir der das mit dem Motorradfahren ganz gut beherrscht und so schaffte ich immerhin zwei 2:06er Runden nacheinander mit 2:06.7 als Bestzeit. Den Feierabend hatte ich mir wohl verdient! Das fehlende Körpertraining durch elende Krankheitspause im Frühling machte sich bemerkbar. Ich war ganz schön im Sack. Aber glücklich!
Es war ja noch ein ganzer Tag zum fahren da, dachte ich. Die Streckenbegehung am Vorabend hatte ein paar Erkenntnisse für den C-Teil gebracht und mich in meinem tun in A und B bestätigt. Also am Morgen ab in die Kombi und Motor an, auf zu neuen Taten.. ne, nix Motor an, er machte einmal kurz *bromm* und ging dann nicht mehr an. Ich muss sagen, wir sind inzwischen sehr gut darin geworden Defekte zu Diagnostizieren, es hilft wenn man den ganzen Kram schon mehrfach in der Hand hatte. Die Spritpumpe lief nicht. Also Tank hoch und ja, die Plusleitung der Pumpe am Stecker war geknickt, die Isolierung war schon offen und vermutlich war die Litze gebrochen. Aber wir sind ja vorbereitet! Superseal Pins dabei, Crimpzange dabei und ausreichend viele Lesebrillen damit man was sieht haben wir auch. Also einmal den Pin halb unterm Tank neu gecrimped und schon lief der Gerät wieder. Allerdings hatte ich zwei Turns verpasst, weil ich mich nicht hetzen hab lassen denn ich wollte ungern das mir auf der Strecke die Pumpe ausfällt, der Motor ausgeht und irgendwas doofe passiert. Und hatte ich erwähnt das ich ganz schön im Sack war?

Also kurz vorm Mittag noch einen Turn gemacht, die 2:08 wieder hingelegt, aber mit viel Kraftaufwand und danach gleich reingefahren weil komplett alle. Das fehlende Training. Das Mittagessen half dann einigermaßen nach einem okayen Turn mit 2:07.4 nach dem Mittag war ich eigentlich schon bereit in Frieden gehen zu können. Aber einen Turn wollte ich noch fahren und wie so oft ist der Letzte der Beste. Strecke erste Runde frei, dann jemand im Weg aber da hatte ich keine Lust hinter dem zu warten also kurzerhand vorbei und dann nur noch freie Bahn und es lief. C klappte, ich kam an wo ich wollte und nachdem da eine 2:06.1 auf dem Laptimer stand, dachte ich mir, die 2:05 packst du! Also laufen gelassen und siehe da 2:05.893. Jubel unterm Helm, Schmerzen in den Beinen zurück in ins Lager. Ein grandioses Ende und ich im Frieden mit mir und der Welt.
Von daher war das ein exzellentes erstes Rollout für 2026, mit Wetter das zwar nicht mega warm aber komplett Regenfrei war und anderen Teilnehmern die komplett ohne eine rote Flagge oder Krankenwageneinsatz übers Wochenende kamen.
Jetzt ist leider erstmal lange Pause angesagt, ich muss mich eigentlich drum kümmern das die Schlüsselbeinplatte von 2024 raus kommt und natürlich muss ich jetzt doch noch mal das Öl vom Admiral ablassen und gucken was so der Zustand ist. Wenn nix schlimmer ist, dann gibts nur neues Öl und Filter.. wenn Glitzerparty angesagt ist, dann.. na das liest man dann hier.

